Unsere Sportler
Ferdinand Hirzegger
Gerhard Pilz
Andreas Ehrschwendtner

Ferdinand Hirzegger - "Der Schuhplattler"

Sein Bruder und seine Schwester rodelten auch - er war der einzige, der (auch dank guter Ergebnisse bei österreichischen Meisterschaften) dem Sport treu blieb. Die Junioren-Europameisterschaften 1996 in Polen brachten nicht nur eine Bronzemedaille für Ferdinand Hirzegger, sondern, viel wichtiger, sein Bekenntnis zu Hochleistungssport. "Es waren jene Tage, an denen ich mir sagte: du musst dich reinkämpfen, du musst was erreichen in dieser Disziplin", erzählt der gelernte Installateur, der mit fünfeinhalb Jahren mit dem Naturbahnrodeln begann, heute rückblickend.

Rückblickend kann er auch über den ersten Beinnamen, den er im Nationalteam erhielt, grinsen. "Mister 200 Prozent" wurde er genannt, weil er in zwei Lehrjahren mehr Stürze produzierte als respektable Platzierungen. Ferdinand Hirzegger agierte ständig über dem Limit, brach sich als Folge unbedachter Fahrweisen das Sprunggelenk, Elle und Speiche an der Hand, zählt die Prellungen und Ausfälle schon gar nicht mehr nach. Doch aus dem Lehrling wird ein Meister, aus einem heißblütigen Draufgänger ein Routinier. Hirzegger lernte, auch mit Köpfchen zu agieren und gewann 1999/2000 den Gesamtweltcup.

Als haushoher Favorit kam er zur Weltmeisterschaft nach Stein an der Enns, in seinem Heimattal, im Jänner 2001. Weltcupführender war er zu diesem Zeitpunkt auch, und Gold, so die Stimmung in seinem Umfeld, lag für ihn quasi abholbereit. "Es war das schwierigste Rennen in meiner Karriere", sagt Hirzegger. "Die Erwartungshaltung des Umfeldes, mein persönlicher Druck, die rennbezogenen Ereignisse waren nicht so einfach zu bewältigen." Und dann wird er ganz leise, wenn er erzählt, warum er Rang eins, den er nach zwei von drei Läufen inne hatte, verlor. "Als ich vor dem abschließenden Lauf am Start stand, habe ich noch die Zeit von Toni Blasbichler, dem aktuellen Zweiten und späteren Sieger, gehört. Sie war nichts Besonderes, ich habe sie unterschätzt, bremste zu zuviel und fuhr ein Sicherheitsrennen. Was ich nicht einbezogen hatte in meine Kalkulationen: es war am Sonntag wärmer als an den vorangegangenen Tagen und es schneite leicht. Die Piste war logischerweise langsamer und die Zeit des Südtirolers beachtenswert.

Von "Mister 200 Prozent" zum Sicherheitsdenker. Die große Erkenntnis, die Ferdinand Hirzegger aus Stein mitnahm, war: "Jeder Lauf muss mit vollem Risiko gefahren werden." Zwei Weltcupkonkurrenzen benötigte der Steirer, um den WM-Rückschlag zu verdauen, fiel in der Gesamtwertung auf Platz drei zurück, dann war er wieder der Alte: österreichischer Meister, mit dreimaliger Laufbestzeit in drei Läufen. Es war eine optimale Messlatte, ein gelungener Abschluss, der sich positiv auf das Training in den anstehenden Sommermonaten auswirken sollte.

Zufrieden blickt der 26-jährige Steirer auf die abgelaufene Saison 2001/02 zurück. Ferdinand Hirzegger musste sich im Gesamt-Weltcup nur knapp Gerhard Pilz geschlagen geben. Die Spannung über den Titelgewinn hielt bis zum letzten Saisonrennen in Zelezniki an. Auch im kommenden Winter erwartet der 63 kg leichte Sportler eine Fortsetzung des Zweikampfs, ortet aber auch Konkurrenz aus anderen Nationen: "Die Spitze wird immer homogener, da einige junge Fahrer langsam aber sicher aufschließen."

Die Faszination, mit einem scharfkantigen Sportgerät über Bodenwellen zu rasen, enge Radien in den Kurven zu fahren, sich mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 60-65 km/h (Höchstgeschwindigkeiten: 80-90 km/h) in der freien Natur zu Tale zu stürzen - all das macht Naturbahnrodeln für Ferdinand Hirzegger attraktiv und interessant. Als flexiblen und reaktionsschnellen Fahrer bezeichnet er sich, dem Kurvenkombinationen wie in Stein an der Enns oder Oberperfuss oder Scyrk-Bielskobiala in Polen entgegenkommen. Aufgrund seines leichten Körpergewichts liebt er flache Bahnen weniger.

Der Sportler, der seit März 2001 im HSZ Rif ist und in der neuen Weltcupsaison vom Salzburger Unternehmen "La Vie" als Kopfsponsor begleitet wird, ist ein vielschichtiger Charakterkopf. Je nach Stimmung und körperlichem Befinden sucht Hirzegger die Gesellschaft, um ausgelassen zu feiern, oder die Ruhe, um sich auf kommende Aufgaben vorzubereiten. Selten lässt er sich dabei von seinem Umfeld aus dem Konzept bringen. "Ich bin sehr ehrgeizig, und was ich mir in den Kopf setze, mache ich auch." Zu seinen Hobbies zählt auch das Schuhplatteln. Vor zehn Jahren begann er mit diesem volkstümlichen Tanz bei den "Knallstoanern" in St. Nikolai im Sölktal. "Immer dann, wenn die Naturbahn-Saison zu Ende ist, beginnen die Proben. Das ist ganz was anderes als der Sport und eine richtige Abwechslung - aber doch interessant zum Üben von Präzision und Koordination", sagt Hirzegger, der im Sommer bei Plattlertreffen oder Almfesten zu sehen ist.


Steckbrief Ferdinand Hirzegger

geboren am 2.6.1976 in Rottenmann
wohnhaft in Gröbming (St)
Größe: 1,66 m
Gewicht: 63 kg
Eltern: Peter und Theresia
Geschwister: Norbert, Margarethe
Erlernter Beruf: Installateur
Lieblingsessen: Nudeln
Lieblingsgetränk: Liquid Wellness
Lieblingstier: Gemse
Lieblingspflanze: keine
Lieblingsfarbe: rot
Hobbies: Schuplatteln, Bergwandern, klettern, laufen, lesen

Größte Erfolge:
Gesamt-Weltcupsieger 1999/2000
Weltcup-Zweiter 2001/02
Weltcup-Dritter 2000/2001
WM-Zweiter 2001
Österreichischer Staatsmeister 2001
Junioren-EM-Dritter 1996

Ausrüster: Torggler, Uvex

Sponsoren: La Vie, Steiner, Esin

Autogrammadresse:
Hauptstraße 31/5
8962 Gröbming

Gerhard Pilz -"Der Routinier"

Nach 15 Jahren Spitzensport besticht Naturbahnrodel-Routinier Gerhard Pilz heute wie gestern durch seinen beispielhaften Willen und ungebrochenen Ehrgeiz. Mit konstant starken Leistungen verifizierte der 37-jährige Oberösterreicher in den letzten beiden Saisons diese Eigenschaften, einem Sieg im Gesamtweltcup vor zwei Jahren folgte prompt der nächste Triumph im Winter 2001/02. Fünf Weltmeister- und einen Europameistertitel hat Gerhard Pilz, der sein erstes Rennen bereits vor 27 Jahren auf der "Hausbahn" in Bad Goisern bestritt, zudem zu Buche stehen.

Bedingt durch die geographische Lage des Wohnortes an der alten Pötscherstraße, die bis 1975 ein Begriff für die österreichische Rodelelite war, wurde Gerhard Pilz schon als Kind vor seiner Schulzeit mit dem naturverbundenen Sport vertraut gemacht. "Neben der im Winter alltäglichen Fahrt mit der Rodel zur Schule wurde ich auch von den damaligen Rodelgroßveranstaltungen angespornt und in den Rennsport eingeführt", erinnert sich Gerhard Pilz, der schon 1980 die Aufnahme in den Juniorenkader schaffte. Nur sechs Jahre später feierte der Athlet vom RSC ASKÖ-Naturfreunde Bad Goisern seinen ersten Weltmeistertitel. Vier weitere folgten. Und bei der Europameisterschaft in Frantschach Anfang Februar 2001 hatte Gerhard Pilz das Triple endlich geschafft - Titelgewinne im Gesamt-Weltcup sowie bei Welt- und Europameisterschaften.

Jeweils einen Vize-Weltmeistertitel im Einzel und in der Mannschaft, sowie vier zweite Plätze im Gesamtweltcup komplettieren die schier endlose Sammlung der größten Erfolge des kaufmännischen Angestellten (siehe Steckbrief). Neben den beruflichen Verpflichtungen, dem Training und den Rennen findet Gerhard Pilz aber auch immer wieder Zeit für seine Hobbys, die sich im Kindes- und Jugendalter auf Skifahren, Skispringen und Fußball beschränkten. Heute ist er begeisterter Paragleiter, Bergsteiger, Kletterer und Mountainbiker.

"Sport ist eine gute Lebensschule. Der richtige Umgang mit seinem Körper oder das Erreichen eines Zieles sind nicht nur im Spitzensport, sondern auch im alltäglichen Leben von großer Bedeutung", gibt Gerhard Pilz zu verstehen. Seine Ziele für die kommende Saison sind klar definiert: "Auch wenn die Konkurrenz mit den Rodelprofis Ferdinand Hirzegger, Gerald Kallan oder Anton Blasbichler stark einzustufen ist, möchte ich den Sieg im Gesamtweltcup wiederholen. Ein weiterer Höhepunkt ist sicherlich auch die Weltmeisterschaft Anfang Februar in Zelezniki."

Beim Thema "Olympische Spiele" vertritt Gerhard Pilz einen klaren Standpunkt. Der Seriensieger ist sich bewusst, dass in den kommenden Monaten wesentliche Veränderungen auf die gesamte Naturbahnrodel-Szene zukommen werden: "Diese Sache ist an uns Sportlern schon längst vorbeigefahren. Wir warten nur mehr auf eine Entscheidung, wobei die Chancen sicherlich recht gut sind. Naturbahnrodeln ist eine attraktive, kostengünstige, umweltfreundliche und für Männer und Frauen gleichwertig anspruchsvolle Sportart". Im Falle der Aufnahme in das olympische Programm wird der 37-jährige Oberösterreicher bei den Winterspielen 2006 in Turin vor Ort sein. "Ich möchte es nicht ausschließen, dass ich noch aktiv am olympischen Rennen teilnehmen würde", betont Gerhard Pilz. Wieder einmal wird hier der ungebrochene Ehrgeiz des zweifachen Gesamtweltcup-Siegers deutlich.


Steckbrief Gerhard Pilz

geboren am 17. Juli 1965
wohnhaft in Sarstein, Bad Goisern (OÖ)
Größe: 1,80 m
Gewicht: 79 kg
Eltern: Elfriede und Hans
Geschwister: Gabi und Herbert
erlernter Beruf: kfm. Angestellter

Lieblingsessen: Nudelgerichte, Salate
Lieblingsgetränk: Orangensaft, Tee, Liquid Wellness
Lieblingstier: keines
Lieblingspflanze: Zirbe
Lieblingsfarbe: blau
Hobbys: Musik, Bergsteigen, Bike, Paragleiten

Größte Erfolge:
5-facher Weltmeister Einsitzer 1986, 1990, 1992, 1994, 1996
Europameister Einsitzer 2001
Vize-Weltmeister Einsitzer 2000
Vize-Weltmeister Mannschaft 2001
WM-Bronzemedaille 2001
Weltcup-Gesamtsieger 2000/2001, 2001/2002
2. Platz Gesamtweltcup 1993, 1996, 1998, 2000
Staatsmeister 1989, 1994, 1995, 1996, 1997
Gesamtsieger Internationaler Rollenrodelcup 1999, 2001

Ausrüster: Torggler Rodel, Carrera, Reusch, Eisbär
Sponsoren: La Vie, Tourismusverband OÖ, Olymp


 

 

 

Andreas Ehrschwendtner -Von Disziplin und Willensstärke

Andreas Ehrschwendtner will den Staatsmeistertitel und das Ticket für die kommende Weltmeisterschaft in England. Diesem Ziel wird der 33-Jährige Bodybuilder aus Salzburg in den nächsten Monaten alles unterordnen. Und er möchte das Bild seines Sports in der Öffentlichkeit richtig stellen. Denn als "Kraftsportler" kämpft Andreas Ehrschwendtner nahezu tagtäglich gegen Vorurteile an. "In der Öffentlichkeit existiert ein falsches Bild unseres Sports. Ich meine sogar, dass Bodybuilding eine der härtesten Sportarten ist. Man muss seinen Körper immer auf einem bestimmten Level halten. Ein Tag Trainingspause zum falschen Zeitpunkt würde mich weit zurückwerfen", erklärt Ehrschwendtner und fügt an: "Bodybuilding ist ein ernst zu nehmender Sport und auch eine Wissenschaft. Entschlossenheit ist nicht nur beim Training, sondern auch bei der Ernährung erforderlich."

Bereits im Jahr 1988 begann der ausgebildete Ernährungsberater und Fitness-Lehrwart Gewichte zu stemmen, seitdem ist er dem Bodybuilding stets treu geblieben. Seither weiß Andi Ehrschwendtner aber auch, was Disziplin und Willensstärke tatsächlich bedeuten. Der "Kraftlackel" trainiert mindestens vier Mal pro Woche und orientiert sich dabei an einem 13-Wochen-Zyklus. Einem Zirkeltraining folgt ein Splitprogramm, dem zweiwöchigen Powertraining mit bis zu 95 Prozent der Maximalkraft folgt ein vierwöchiges Bodybuildingtraining, um letztendlich das Gewicht in Muskelmasse umzusetzen. "Am Tag des Wettkampfs sind die Muskeln optimal definiert. Das heißt, die Quer- und Längsstreifen sollten für die Jury deutlich zu sehen sein", gibt Ehrschwendtner zu verstehen.

Vor seiner mittlerweile langjährigen Karriere als Bodybuilder spielte Andi Ehrschwendtner Fußball beim ASK Salzburg. Damals, mit etwa 17 Jahren, wog er lediglich 55 Kilogramm. Heute zeigt die Waage stolze 115 Kilogramm bei einer Körpergröße von 1,84 Meter an. Kurz vor einem Wettkampf sind es auf Grund des Trainingsprozesses bis zu zehn Kilogramm weniger bei einen Körperfettanteil von rekordverdächtigen 2,9 Prozent (!).

Die Hingabe zum Bodybuilding fand 1990 eine Vertiefung. Bei einem vierwöchigen Amerika-Trainingsurlaub quälte sich Andreas Ehrschwendtner in Venice Beach (L.A.) und im "Gols Gym", einem wahren Fitness-Mekka. Wenige Jahre später nahm der Stadt-Salzburger an seinem ersten Wettkampf teil. Das Wissen über die richtigen Trainingsmethoden sowie die Muskelmassen wuchsen infolgedessen immer mehr. Im vergangenen Jahr, seiner ersten verletzungsfreien Saison, erreichte Ehrschwendtner den zweiten Platz bei der Österreichischen Meisterschaft der IFBB (International Federation of Bodybuilding). Der bisher größte Erfolg des begeisterten Hobbykochs hatte jedoch einen bitteren Beigeschmack. Die Wiener Jury kürte einen deutlich schlechter proportionierten Athleten aus der Bundeshauptstadt zum Meister. "Die Titelkämpfe waren ein abgekartetes Spiel. Die Enttäuschung danach war groß", sagt Kraftpaket Andi Ehrschwendtner, der daraufhin der IFBB den Rücken kehrte und zur NABBA (National Bodybuilding Association) übertrat. Mit dem neuen Verband und seinen alten Tugenden Disziplin und Willensstärke peilt Ehrschwendtner nun den Staatsmeistertitel und damit auch die Qualifikation für die Weltmeisterschaft an.


Steckbrief Andreas Ehrschwendtner

geboren am 19. März 1969 in Salzburg
wohnhaft in Salzburg (Stadt)
Größe: 1,84 m
Gewicht: 115 kg
Eltern: Adolf und Monika
Geschwister: Manuela
Erlernter Beruf: Gas-/Wasserleitungsinstallateur
Lieblingsessen: italienisch
Lieblingsgetränk: Liquid Wellness
Lieblingsfarbe: blau
Lieblingspflanze: Rose
Hobbies: Kochen, Essen, Reisen (USA)

Größte Erfolge:
1995: 5. Platz Neulingsstaatsmeisterschaft
1996: 1. Platz Landesmeisterschaft
1997: 3. Platz Staatsmeisterschaft
2000: 3. Platz Staatsmeisterschaft
2001: 2. Platz Staatsmeisterschaft

Sponsor:
La Vie